Sonntag, 28. März 2010

Der Osterspaziergang













Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden,belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück;
der alte Winter,  in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farbe beleben;
doch an Blumen fehlt´s im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um von diesen Höhen
nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finsteren Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häusern dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus der Strassen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behebend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen  Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
Johann Wolfgang von Goethe











Kommentare:

  1. Liebe Inge,

    bei Dir werde ich noch ganz schlau. "Hier bin ich Mensch, hier dathe ist wusste ich auch, aber nicht in welchem Zusammenhang. Schönes Gedicht.

    GGLG Anne

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  2. Was, hä, "dathe ist". Wie das??? Meinte natürlich "hier darf ich sein" öhhh.

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  3. Grins, aber ich wußte was du meinst. Bin doch plietsch, oder ??? LG Inge

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  4. Liebe Inge,
    Endlich komme ich wieder einmal dazu bei Dir vorbei zu schauen. Schön hast Du´s nicht nur Dein Blog grüßt so fröhlich, auch die vielen, vielen Frühlingsblüher, die Du schon gepflanzt hast sehen einfach sensationell aus.

    Goethes Osterspaziergang ist ein echter Klassiker. Vor 2 oder 3 Jahren hat ein Kirchenältester dieses Gedicht zu Beginn des Ostergottesdienstes vorgetragen. Sehr schön. Allerdings hat es genau an diesem Vormittag fürchterlich geschneit. Und so ging ein Lachen durch die Bänke, als er anfing "Vom Eise befreit..."
    Daran muss ich jetzt jedesmal denken und schmunzeln.

    Viele liebe Grüße an Dich!
    Sabine

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  5. Hallo liebe Inge,

    ein schönes Gedicht hast du uns hier geschrieben und der letzte Satz dürfte eigentlich jedem bekannt sein. Ist interessant, mal das ganze Gedicht zu lesen :o)

    Wünsch dir noch einen schönen Rest-Sonntag und schick dir ganz viele liebe Grüße

    Sonja

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  6. Immer wieder schön zu lesen. In Gedanken sehe ich den Herrn Goethe dann zusammen mit Mutter Aja durch das alte Frankfurt und hinaus in den Stadtwald spazieren ;-)
    Mal sehn, ob es auch in diesem Jahr bei uns wieder einen Osterspaziergang auf Goethes Spuren gibt.
    Lieben Gruß und einen schönen Abend noch -
    Elke

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  7. Liebe Inge,
    da hast Du wieder etwas Schönes ausgesucht. Wollen wir hoffen, daß der Osterspaziergang genauso schön wird.

    Ich grüß Dich ganz herzlich
    Sara

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  8. Ich danke euch für die lieben Kommentare. Wie schön, das dieses Gedichr bei euch mit Erinnerungen verbunden ist. LG Inge

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  9. Das erinnert mic an endloses Lernen müssen, aber ich bekomme das gedicht heute noch ( fast perfekt) hin.

    LG und einen schönen Osterspaziergang wünsct dir Shoushou

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